UNKOMPLIZIERT

VEGAN = UNKOMPLIZIERT

Ist es nicht außerordentlich schwierig, vegan zu leben?
Aus praktischer Sicht erweist sich die weit verbreitete Vorstellung vom »schwierigen Vegansein« kurzerhand als falsch. Der Eindruck, vegan lebende Menschen hätten nur sehr wenig Essbares zur Auswahl und müssten alle Gebrauchsgegenstände von den Schuhen bis zum Waschmittel umständlich und teuer im Spezialversandhandel ordern, entspricht nicht der Realität.

Für Mitteleuropäer, die ein wenig die Augen offenhalten, finden sich genug vegane Nahrungsmittel, selbst wenn wir pflanzliche Milch, Fleisch-, Fisch- und Wurstimitationen oder die veganen Versionen von Käse, Eis, Sahne, Joghurt oder Milchschokolade, Dessertcremes oder Torten einmal außer Acht lassen. Wer über zwei oder drei Kochbücher oder einen Internetzugang verfügt, wird beim Versuch, ein ganzes Jahr lang täglich ein anderes veganes Hauptgericht auszuprobieren, gewiss nicht in Schwierigkeiten geraten.

Früchte, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen lassen sich fast überall leicht finden, und verarbeitete vegane Nahrungsmittel oder Fertiggerichte sind so verbreitet wie nie zuvor. Wer nur ein wenig genauer als bisher hinsieht oder nachfragt, findet eine Fülle von veganen Grundnahrungsmitteln, Backwaren, Snacks, Brotaufstrichen, Konserven, Frühstückszutaten oder Süßigkeiten. Davon abgesehen können wir uns ansehnlich und funktionell bekleiden, ohne auf die Haut oder die Haare toter Tiere angewiesen zu sein. Ebenso sind wir keinesfalls gezwungen, Haushalts- oder Kosmetikartikel zu verwenden, deren Inhaltsstoffe aus den Körpern von Tieren bestehen oder an ihnen getestet wurden; es gehört nicht mehr dazu als sich zu informieren und dann statt dem Produkt X das Produkt Y zu kaufen.

Aus gesellschaftlicher Sicht kann es anfangs etwas unbehaglich oder unbequem sein, sein Leben einem so grundlegenden Wandel zu unterziehen, dessen Gründe viele Mitmenschen eventuell überhaupt nicht nachvollziehen können. Nach einiger Zeit jedoch lässt sich mit Hilfe der täglich größer werdenden Erfahrung jede Situation überschauen, auch wenn manchmal dazugehört, sich geduldig zu erklären, Vorurteile auszuräumen und seine eigenen Kekse mitzubringen. Alle gängigen Schwierigkeiten, welche eine vegane Lebensweise mit sich bringen könnte – wie das Ablehnen des Stücks Torte auf Geburtstagsfeiern, das regelmäßige Beantworten von »Wo bekommst du dein Eiweiß her?«-Fragen oder das bedrückende Gefühl des Zuviel-Wissens beim Anblick grasender Kühe – werden ausnahmslos vom sozialen Umfeld geschaffen; sie sind keine Probleme, welche dem Veganismus an sich innewohnen.

Die größte Schwierigkeit liegt vielleicht im Umgang mit Mitmenschen, welche gleichzeitig alles und nichts über die Risiken einer veganen Ernährung zu wissen scheinen. Sie konsumieren ja auch »nur Bio- und nur ganz wenig« Fleisch, Milch und Eier, mak ein Döner Kebab, eine Tiefkühlpizza oder einen Fertigkuchen. Die Tiere werden »dankbar respektiert«. Respekt schließt nach allgemeinen Werten Tötung aus!

Es fällt dir vermutlich auch nicht leicht, mit dem Wissen von der täglichen unnötigen Brutalität umzugehen und mit der Gleichgültigkeit der Auftragsmörder, welche nichts von Mord hören wollen. Doch wie mühsam es ist, täglich vor sich selbst mit Ausreden aufwarten zu müssen, dass durch dein eigenes Verhalten Unschuldigen vermeidbare Gewalt angetan wird, dies zu leugnen, zu versuchen, nicht über die Konsequenzen des eigenen Handelns nachzudenken, oder sich unablässig gegen die zweifellos berechtigten Einwände des Gewissens zu wehren. Jeder denkende Mensch kennt die Fakten und es kostet viel Energie, sich selbst beruhigend einzureden, dass die Ausbeutung der Tiere nötig ist für das eigene Wohlergehen.

Die wahren Motive vieler Menschen, welche gern ein »… aber es ist so schwer!« vorschieben, sehen oft so aus: Sie möchten an der Idee festhalten, Veganismus sei unmöglich, um weiterhin in ihrer physischen oder psychischen Abhängigkeit von Tierprodukten verbleiben zu können. Sie möchten glauben, dass sie bereits so viel tun wie sie nur irgendwie können, um sich nicht selbst dem Vorwurf aussetzen zu müssen, nicht genug zu tun. Sie nehmen die Unterdrückung und die Rechte der Tiere nicht wirklich ernst. Alte Gewohnheiten aufzugeben macht Angst, und das Gewissen zu beruhigen erscheint vordergründig einfacher.

In Wirklichkeit jedoch ist Veganismus offensichtlich (und sehr einfach) möglich. Wer noch nicht vegan lebt, sich aber mit dem Thema beschäftigt, wird das Wissen um diese Möglichkeit, »mehr für die Tiere« tun zu können, nie mehr ausblenden können. Der »Verzicht« oder die dafür zu bringenden »Opfer« entpuppen sich als Befreiung, als Raum für Neues, als die Angelpunkte, an denen ethische Werte und eigenes Handeln endlich im Einklang stehen.

Vegane Bekleidung und Schuhe
Bekleidung

Vegane Bekleidung besteht nicht aus Materialien, welche von lebenden oder toten Tieren genommen wurden, wie beispielsweise Leder oder Pelz, Seide, Wolle (darunter Alpaka, Angora und Cashmere) oder Wollfilz, Federn und Daunen.

Aufgrund der eindeutigen Auszeichnung auf den Etiketten ist es relativ einfach, Kleidungsstücke mit tierlichen Bestandteilen zu vermeiden und stattdessen auf Artikel aus Baumwoll-, Leinen-, Hanf- oder Kunstfasern zurückzugreifen. Im Zweifelsfall wie immer an das Verkaufspersonal oder direkt an den Hersteller wenden.

Gürtel werden oft aus Leder hergestellt (und auch viele Halsketten, Arm- und Uhrenarmbänder). Winterjacken haben gelegentlich (zum Beispiel an der Kapuze) Besätze aus Pelz, der „künstlich“ oder aus dem Fell toter Tiere hergestellt sein kann. Selbst bei Kunstpelz finden sich allerdings immer wieder Hersteller, die auf Hunde- und Katzenfell zurückgreifen. Hier kann man sich leier nur ganz schlecht auf die Auszeichnung derWare verlassen – aher am besten: Finger weg von Pelz an sich! Außerdem kann das Futter zu einem Teil oder komplett aus Daunen bestehen. Bei Jeans und anderen Hosen befindet sich hinten am Bund oft ein Etikett, welches aus Tierhaut hergestellt sein kann.

Schuhe

Ein Merkmal veganer Schuhe ist wohl offensichtlich: Sie sind ohne die Verwendung von Tierhäuten hergestellt. Frei von Leder heißt jedoch nicht automatisch vegan, denn beispielweise und vor allem im Kleber zwischen den einzelnen Materialschichten ist oft Kasein oder Glutin enthalten (beides mit tierlichen Bestandteilen hergestellt). Außerdem werden gelegentlich weitere tierliche Materialien wie etwa Wolle oder Seide verarbeitet.

Zum Glück stellt es heute kein Problem mehr dar, für jede und jeden das passende Paar vegane Schuhe zu finden, egal ob für den Marathon, den Opernball, den Skateplatz oder die Chefetage.

Inzwischen gibt es sogar einige Hersteller, die ausschließlich vegane Schuhe produzieren, andere bieten einen Teil ihres Sortiments als vegane Produktlinie an oder haben zumindest einzelne als vegan gekennzeichnete Schuhe im Angebot. Viele Schuhhändler (die meisten davon mit eigenem Online-Shop) haben dir das Nachfragen und Gegenprüfen schon abgenommen und bieten eine riesige Auswahl ausschließlich veganer Schuhe aller Marken, Farben und Formen an.

Für Schuhe, die vegan sein könnten, du dir aber nicht sicher bist, kannst du einfach eine Produktanfrage direkt an den Hersteller richten oder deinen Schuhhändler bitten, sich über die verwendeten Materialen zu informieren.

Für die Hauptbestandteile eines Schuhs (Obermaterial, Futter- und Decksohle sowie Laufsohle) werden die verwendeten Materialien oft durch Symbole dargestellt:

Schuhe Material Leder Leder
Schuhe Material beschichtetes LederBeschichtetes Leder
Natürliche und synthetische TextilienNatürliche und synthetische Textilien
Sonstiges MaterialSonstiges Material (Polymerwerkstoffe, Holz, Kork etc.)

Hierbei ist zu beachten, dass die Symbole für Textilien und sonstiges Material leider nicht zweifelsfrei auf einen veganen Schuh hindeuten, selbst wenn für die Hauptbestandteile kein Leder verwendet wurde.

Vegane Körperpflege und Kosmetik

Nicht nur in Lebensmitteln, auch in vielen Kosmetika und Pflegeprodukten sind Inhaltsstoffe tierlichen Ursprungs enthalten. Häufig verwendete Stoffe sind zum Beispiel tierliche Fettsäuren, Kollagen, Keratin, Wollfett, Bienenwachs, Karmin sowie Perlen- und Seidenpulver. In den meisten Fällen werden diese jedoch nicht eingesetzt, weil sie für eine höhere Qualität des Endprodukts sorgen oder es keine pflanzliche oder mineralische Alternative gibt, sondern weil bei der enormen Zahl von Tieren, die bei uns täglich getötet werden, riesige Mengen sogenannter Schlachtabfälle (Fett, Innereien, Knochen, Knorpel, Haut, Hörner, Hufe oder Fruchtwasser) entstehen, die zu niedrigen Preisen an die Kosmetikindustrie weiterverkauft werden.

Ob Duschgel, Shampoo, Lotion, Rasierschaum, Zahnpasta oder Lippenstift: Wer den Konsum von Tierprodukten vermeiden möchte, muss beim Kauf dieser Artikel genau hinsehen. Leider lassen sich die in der chemischen Industrie verwendeten Stoffe aufgrund der Benennungen oft noch schlechter identifizieren als im Nahrungsmittelbereich. Die Bezeichnungen der einzelnen Substanzen richten sich nach der International Nomenclature of Cosmetic Ingredients und bestehen daher vornehmlich aus englischen und lateinischen Wörtern.

Für uns gibt es dennoch mehrere Wege, vegane Produkte von solchen mit tierlichen Inhaltsstoffen zu unterscheiden. Zum einen kann die Liste der Zutaten mithilfe eines entsprechenden Buches, einer Website oder App geprüft werden. Wer sich hier einigen Aufwand ersparen möchte, begutachtet von vornherein nur Artikel, die eine relativ kurze Liste mit Inhaltsstoffen aufweisen, oder Produkte, deren Wirkstoffe laut Verpackung zum größten Teil auf pflanzlicher Basis hergestellt sind.

Weiterhin lassen immer mehr Hersteller ihre veganen Produkte mit dem ->Label der Vegan Society auszeichnen, welches garantieren soll, dass das entsprechende Produkt frei von tierlichen Bestandteilen ist und außerdem nicht an Tieren getestet wurde. Weil die Kennzeichnung »vegan« aber weder für Lebensmittel noch für Kosmetika einheitlich geregelt ist, drucken manche Firmen das Wort auch eigenmächtig auf ihre Verpackungen, das Produkt kann in einem solchen Fall also durchaus vegan sein, allerdings steht keine Kontrollinstanz dafür ein. Zuletzt bleibt kritischen KundInnen noch das Mittel der Produktanfrage, bei der ein Hersteller konkret zu den verwendeten Inhaltsstoffen eines Artikels befragt werden kann.

Doch nicht nur für bestimmte Inhaltsstoffe müssen Tiere leiden und sterben, auch tierproduktfreie Produkte können Stoffe enthalten, die an Tieren getestet wurden. Zwar ist in der EU die Einfuhr und der Verkauf von neuen an Tieren getesteten Kosmetikprodukten und -inhaltsstoffen seit 2003 verboten, dennoch werden Rohstoffe, die zusätzlich auch außerhalb des Kosmetikbereichs Verwendung finden, als »Chemikalien« eingestuft und dürfen weiterhin an Tieren getestet werden. Zwischen den Ländern der EU besteht weiterhin Unklarheit darüber, wann genau ein Kosmetikinhaltsstoff vorliegt und wie das Verkaufsverbot durchgesetzt und kontrolliert werden soll.

Da jede erdenkliche Substanz, die in der Kosmetikindustrie verwendet wird, irgendwann bereits mittels Tierversuch auf Verträglichkeit oder Giftigkeit hin geprüft wurde, gibt es auf

dem Markt praktisch kein einziges Produkt, welches als vollständig tierversuchsfrei bezeichnet werden kann. Dennoch werden auch in diesem Bereich verschiedene Siegel vergeben, die garantieren sollen, dass das betreffende Produkt oder seine Inhaltsstoffe seit einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr an Tieren getestet wurden.

Label der Vegan Society Label der Vegan Society
Label IHTKLabel des Internationalen Herstellerverbands gegen Tierversuche in der Kosmetik (IHTK), in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tierschutzbund
Label des Humane Cosmetics StandardLabel des Humane Cosmetics Standard (HCS)
Label BDIHLabel des Bundesverbands der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel e.V. (BDIH)

Zu beachten ist hier, dass lediglich das Label der Vegan Society Produkte kennzeichnet, in welchen darüber hinaus auch keine Stoffe von lebenden oder toten Tieren enthalten sind. In Produkten, die auf der Verpackung mit einem der Labels von HCS, IHTK, BDIH oder anderen versehen sind, können also durchaus Substanzen enthalten sein, für die Tiere unmittelbar leiden und sterben mussten.

Vegane Haushaltsprodukte

In Wasch- und Reinigungsmitteln enthaltene Wirkstoffe wie Seifen, Tenside und Enzyme können sowohl tierlichen als auch pflanzlichen oder mikrobiologischen Ursprungs sein. Leider sind hier die Hersteller nicht verpflichtet, einzelne Inhaltsstoffe oder gar deren Herkunft auf der Verpackung zu vermerken.

Einige Unternehmen haben jedoch bereits begonnen, Produkte, die nicht unter Verwendung tierlicher Substanzen hergestellt wurden, selbst als vegan zu deklarieren oder von einer Kontrollstelle prüfen und mit einem entsprechenden Siegel (wie der »Veganblume«, dem Label der Vegan Society) versehen zu lassen. Bei Unklarheit bleibt wie bei Lebensmitteln oder Pflegeprodukten die Möglichkeit einer Produktanfrage.

Spül-, Wasch-, Putz- und andere Reinigungsmittel sowie andere Haushaltsprodukte wie Raumsprays oder Möbelpolituren werden außerdem in aller Regel an unfreiwilligen tierlichen Versuchsteilnehmern auf ihre Toxizität hin geprüft. Dabei wird das Endprodukt oder einzelne Inhaltsstoffe äußerlich und innerlich mit Tieren (meist kleineren Nagetieren wie Mäusen, Ratten, Meerschweinchen und Kaninchen) verabreicht. Die zu erwartenden Folgen sind leichte bis schwerste Vergiftungserscheinungen und zuletzt immer der Tod. Als vernunftbegabte Wesen vermeiden wir es, Waschpulver zu essen und uns Scheuermilch in die Augen zu träufeln, und zwar unabhängig davon, ob andere bereits dazu gezwungen wurden.

Neben einigen Herstellern, die eigene Angaben darüber machen, welche ihrer Produkte nicht an Tieren getestet wurden, soll das Label der Vegan Society garantieren, dass ab einem bestimmten Zeitpunkt weder das Endprodukt noch eines seiner Inhaltsstoffe im Tierversuch geprüft wurde.

Was bedeutet der Aufdruck

Was bedeutet der Aufdruck »Kann Spuren von … enthalten«?
Wird auf der Verpackung eines Produkts die Zutatenliste beispielsweise mit dem Hinweis »Kann Spuren von Milch enthalten« ergänzt, bedeutet dies, dass laut Rezeptur keine Milch für das Produkt verwendet wird, dass aber während des Produktionsprozesses geringe Mengen Milch mit dem Produkt in Berührung gekommen sein können. Eine so genannte Kreuzkontamination kann erfolgen, wenn zum Beispiel ein an sich milchfreies Produkt Verarbeitungsanlagen durchläuft, mit welchen ebenfalls milchhaltige Produkte hergestellt werden.

Diese Hinweise richten sich in erster Linie an Allergiker, weshalb hier auch nur Zutaten angeführt werden, welche laut Allergenkennzeichnungsrichtlinie RL 2003/89/EG auf der Verpackung gekennzeichnet werden müssen, darunter Gluten, Krebstiere, Ei, Fisch, Erdnüsse, Soja und Milch.

Ein Produkt, das einen Hinweis auf (mögliche) Spuren von Milch trägt, ist jedoch nicht automatisch unvegan. Die meisten Menschen, die aus ethischen Beweggründen vegan wurden, möchten nicht weiter dazu beitragen, dass Tiere ausgebeutet und getötet werden. Indem sie den Konsum von Produkten tierlicher Herkunft vermeiden, verringern sie die Nachfrage und damit mittel- und langfristig das Angebot an Tierprodukten. Mit dem Kauf von Lebensmitteln, die für sich genommen vegan, möglicherweise aber mit Oberflächen in Berührung gekommen sind, die wiederum mit unveganen Rohstoffen Kontakt hatten, steigern sie jedoch nicht die Nachfrage nach letzteren.

Es lässt sich also nicht pauschal festlegen, ob ein Produkt mit oder ohne einen Hinweis auf eine mögliche Kontamination mit einer von Tieren stammenden Zutat vegan oder nicht vegan ist. Die Zutatenliste gewissenhaft zu lesen und gegebenenfalls eine Produktanfrage an den Hersteller zu stellen (wenn sich für das betreffende Produkt keine bereits beantwortete Anfrage im Internet finden lässt) wird sich wohl zumindest in naher Zukunft leider noch nicht vermeiden lassen.

Was bedeutet der Aufdruck »rein pflanzlich«?
Auch wenn auf einigen Produkten der Vermerk »rein pflanzlich« zu finden ist, muss dies nicht in jedem Fall der Wirklichkeit entsprechen.

Zum einen enthalten einige Nahrungsmittel trotz dieses Vermerks Zutaten tierlichen Ursprungs (etwa Aromen aus Molke oder aus Fischöl gewonnene Vitamine in Margarine), zum anderen werden in fast allen verarbeiteten Lebensmitteln einige Rohstoffe verwendet, die weder von Tieren noch von Pflanzen stammen, darunter vor allem Wasser, Salz und andere Minerale, Hefe und andere Pilze oder Algen.

Ob dabei Nachlässigkeit oder Marketingstrategie die Ursache für eine solche sachlich falsche Angabe ist, lässt sich wohl nur von Fall zu Fall beurteilen.
Ein Blick auf die Zutatenliste und gegebenenfalls eine Anfrage beim Hersteller bleiben also immer noch die Mittel der Wahl.

Was bedeutet der Aufdruck »vegan«?
Inzwischen tragen viele Produkte (nicht mehr nur im Bio-Bereich) die Aufschrift »vegan« oder »für vegane Ernährung geeignet«. Da die Bezeichnung »vegan« lebensmittelrechtlich jedoch noch nicht definiert und geschützt ist, können Hersteller sie theoretisch auf die Verpackung eines jeden beliebigen Produkts aufdrucken. Und tatsächlich wurden schon Fälle bekannt, bei denen einzelne Artikel, die zum Beispiel Honig enthielten, als vegan ausgezeichnet wurden, aus welchen Gründen auch immer.

Bei neuen oder bisher unbekannten Produkten empfiehlt sich deshalb in jedem Fall ein Blick auf die Zutatenliste und im Zweifel auf eine Produktanfrage.

Etwas mehr Sicherheit bieten Labels, die nur Produkte tragen dürfen, die von einer unabhängigen Kontrollstelle überprüft werden. Beispiele hierfür sind die »Vegan-Blume« der britischen Vegan Society, das V-Label der European Vegetarian Union oder das Vegan-Label der veganen gesellschaft deutschland.

Label der Vegan Society Label der Vegan Society
Label der veganen gesellschaft deutschlandLabel der veganen gesellschaft deutschland
Label der European Vegetarian UnionLabel der European Vegetarian Union

Die einzelnen Vergabestellen legen ihren Labels jedoch teilweise unterschiedliche Kriterien zugrunde. So wird für Produkte, auf denen eines der drei abgebildeten Labels zu sehen ist, zwar garantiert, dass sie keine tierlichen Inhaltsstoffe enthalten, dass keine tierlichen Hilfsstoffe bei der Produktion verwendet wurden und dass das Produkt nicht an Tieren getestet wurde. Die Vergabe der Vegan-Blume wird jedoch unter anderem ohne Rücksicht auf eine eventuell nicht vegane Verpackung geregelt, wohingegen bei der Vergabe der beiden anderen genannten Labels auch entscheidend ist, ob Verpackungen oder Etiketten zum Beispiel mit caseinhaltigem Leim geklebt werden.

Es bleibt also wieder einmal dir überlassen, inwieweit du dich auf möglicherweise vorschnelle »Vegan«-Auszeichnungen oder auf die verschiedenen Labels verlassen willst. Veganismus steht für die Vermeidung vermeidbaren Leids. Informiere dich darüber, was unser Tierproduktkonsum für die Opfer dieser Industrie bedeutet, und mache dir bewusst, welche Produkte für dich tatsächlich vermeidbar sind. Labels können auf einen schnellen Blick einige Anhaltspunkte liefern, kritisches Denken und ethisch untermauerte Entscheidungsfähigkeit können sie aber nicht ersetzen.

Vegan unterwegs

Vegane Lebensmittel und gutes veganes Essen lassen sich überall finden. Wenn wir jedoch abseits unserer gewohnten Pfade unterwegs sind, kann es manchmal eine kleine Herausforderung bedeuten, geeignete Einkaufsmöglichkeiten oder Restaurants ausfindig zu machen. Mit ein wenig Vorbereitung sollten sich jedoch kulinarische Engpässe oder andere Probleme leicht vermeiden lassen.

Vor längeren Reisen empfiehlt sich in jedem Fall ein Blick ins Internet: Mit den Suchbegriffen »vegan« und dem Reiseziel oder einer Zwischenstation (Name der Stadt oder des Landes, bei größeren Städten auch der Stadtteil oder der Straßenname) lässt sich bereits ein kleiner Ausblick auf die gebotenen Möglichkeiten gewinnen. Vielleicht kannst du dir jetzt bereits eine kleine Liste mit Restaurants, Lebensmittelgeschäften, einzelnen veganen Produkten und Übernachtungsmöglichkeiten (vegane Hotels oder Bed & Breakfasts) zusammenstellen.

Vielleicht stößt du bei deinen Nachforschungen sogar auf Blogs von Ortskundigen oder Reisenden, die in Frage kommende Bezugsquellen und Lokalitäten bereits auf einer Seite aufgelistet haben. Wenn deine Nahrungsfindung von einer dieser Informationen abhängen wird, solltest du die Angaben jedoch vorher per Web, E-Mail oder Telefon überprüfen, da diese veraltet sein könnten und der hochgelobte vegane Burger-Imbiss heute vielleicht an anderer Stelle oder überhaupt keine Burger mehr grillt.

Mit etwas Glück findest du auch die Website einer lokalen veganen Gruppe mit Tipps, Angeboten oder Veranstaltungen in der betreffenden Gegend.

Es gibt ebenfalls einige sehr nützliche Internetplattformen und Apps, welche vegane Restaurants oder ähnliche Angebote auf der ganzen Welt auflisten. Meist sind diese für einen optimalen Überblick in eine Stadtkarte eingezeichnet und von anderen BesucherInnen bewertet worden.

Vergiss nicht, alle Informationen, welche du im Verlauf der Reise gebrauchen könntest, auf Papier zu bringen, als Screenshot oder Notiz auf deinem Handy zu speichern oder auszudrucken. Wenn du deine Rechercheergebnisse lediglich als Lesezeichen im Browser speicherst, könntest du unterwegs mangels Internetverbindung keinen Zugriff mehr darauf haben.

Führe stets einen Vorrat an Snacks und eine Flasche Wasser mit dir für unerwartet lange Wartezeiten oder falls du erst mitten in der Nacht ankommen solltest, dich verläufst oder aus anderen Gründen keine Möglichkeit zur Nahrungsbeschaffung haben solltest.

Hierfür bieten sich vor allem lange ungekühlt haltbare Nahrungsmittel an wie Nüsse, Trockenfrüchte und -beeren oder eine Mischung daraus, Frucht-, Getreide- und Schokoriegel, ungekühlt haltbare Snackwürstchen, Kekse oder Cracker. Für kürzere Wege eignen sich zusätzlich auch Äpfel, Bananen oder anderes Obst, Gurken-, Sellerie- oder Karottensticks oder selbstgemachte Sandwiches.

Auf längeren Reisen nicht vergessen, bei der nächsten Gelegenheit den Snackvorrat wieder aufzufüllen.