SOZIAL

VEGAN = SOZIAL

1Ist es nicht meine persönliche Entscheidung, was ich esse oder trage
Tierprodukte bedeuten unnötiges Leid, und wir haben keine moralische Rechtfertigung dafür, anderen unnötiges Leid zuzufügen. Es ergibt jedoch keinen Sinn wenn wir einerseits anerkennen (und unseren Kindern vermitteln), dass es falsch ist, Tieren unnötiges Leid zuzufügen, dann aber davon ausgehen, Tieren unnötiges Leid zuzufügen sei eine Sache der persönlichen Entscheidung.

Der Konsum von Tierprodukten kann demnach nur insofern eine »Entscheidung« sein, als unsere Gesellschaft es uns erlaubt, Dinge zu tun, welche offensichtlich und unbestreitbar moralisch nicht richtig sind. So steht es uns etwa frei, Bekleidung zu kaufen, deren Herstellungsbedingungen als Sklaverei bezeichnet werden müssen. Wir können uns für elektrischen Strom entscheiden, bei dessen Erzeugung Müll anfällt, der noch in zehntausend Jahren radioaktive Strahlung emittiert. Und wir dürfen Produkte konsumieren, die wir zwar nicht brauchen, für die jedoch fühlende Lebewesen leiden und sterben.

Das Recht aller dieser Lebewesen, nicht wegen unserer speziellen Vorlieben oder Gewohnheiten ausgebeutet und ermordet zu werden, bleibt also ihr angeborenes Recht, auch wenn die meisten Menschen sich noch täglich dafür entscheiden können, dieses Recht nicht zu respektieren.

Der Konsum von Tierprodukten ist zwar noch legal, wird bei uns sogar gefordert und gefördert, dies ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass unnötige Handlungen, bei welchen Unschuldige zu Schaden kommen, moralisch nicht akzeptabel und daher keine Sache der persönlichen Entscheidung sein können. In der Vergangenheit haben wir mehr als einmal geltende Gesetze geändert und bestimmte Formen der Ausbeutung (menschliche Sklaverei, Kinderarbeit und auch sogenannte Tierquälerei) inzwischen weltweit für nicht hinnehmbar erklärt. Lag es also zu einem früheren Zeitpunkt aus gesetzlicher Sicht tatsächlich nur im Ermessen eines Plantagenbesitzers, Sklaven auszubeuten oder nicht, so wird ein solches Arbeitsverhältnis heute keineswegs mehr als eine persönliche Entscheidung angesehen.

Gewalt innerhalb einer Ehe oder Familie wird von den TäterInnen oft verteidigt mit der Aussage, dass dies eine private Angelegenheit ist. Dennoch tolerieren wir Mississhandlungen von Kindern und (in der Regel) EhepartnerInnen nicht, weil niemand über die Unversehrtheit des Körpers und seiner Psyche anderer verfügen kann. Das Interesse des Opfers steht gesetzlich im Vordergrund.

Beim Konsum von Tierprodukten entscheiden wir als TäterInnen aber nach wie vor nach dem Motto: Private Angelegenheit! Die „Sklaven“ und Opfer unserer Zeit leiden stumm oder in einer Sprache, die wir nicht als Leid wahrnehmen und sie sterben für unsere private Angelegenheit.

2Werde ich als vegan lebender Mensch nicht als »extrem« gelten
Noch bezeichnen viele Menschen die vegane Idee vorschnell als eine »extreme« Maßnahme, mit der einige auf das offensichtliche Leid der Tiere reagieren. Doch schauen wir genauer hin: Wie extrem ist es, das Prinzip »Leben und leben lassen« nicht nur im Munde zu führen, sondern auch tatsächlich umzusetzen? Das nicht mehr zu tun, wovor einem das Gewissen schon längst abgeraten hat? Unsere gemeinsamen Grundwerte auch praktisch auf das tägliche Leben anzuwenden und sich zu entscheiden gegen Leid, Gewalt und Unterdrückung und für Gerechtigkeit, Freiheit und Respekt?

Und wie extrem ist es, jedes Jahr 50 Milliarden Tiere auf die Welt zu bringen, nur um sie umzubringen? Sie zu mästen oder zu leistungsfähigen Produktionseinheiten zu machen, sie über Jahre hinweg einzusperren und ihnen jegliche Form von arteigenem Verhalten unmöglich zu machen? Ihnen Lebenszweck, Raum, Ernährung, Zeitpunkt der Fortpflanzung und des Todes zuzuweisen und sie zur Ware zu machen in einem mit brutalsten Mitteln von Menschen dominierten Wirtschaftssystem?

Die Nutzung nichtmenschlicher Tiere verursacht immer größere ökologische Schäden, verschwendet Wasser und pflanzliche Nahrungsressourcen, führt immer öfter zu gesundheitlichen Nachteilen und bringt vor allem die Gefangenhaltung und Tötung einer unvorstellbar hohen Zahl an Individuen mit sich. Bemerkenswert mag erscheinen, dass wir den Tod von etwa 99,9 Prozent dieser Individuen allein dadurch rechtfertigen, dass uns der Verzehr ihrer toten Körper Genuss verschafft.

Tierrechte und Veganismus sind eine folgerichtige Manifestation von Werten, welche fast alle Menschen ohnehin bereits vertreten. Bei näherer Betrachtung muss dann auch Veganismus und die Forderung nach Tierrechten als die »unextremste« Haltung, die man sich vorstellen kann, bezeichnet werden. Es geht darum, keine Gewalt gegen Unschuldige auszuüben. Es geht darum, nicht zu verletzen, nicht zu quälen und nicht zu töten, wenn wir dies nicht müssen.

Wenn wir erwiesenermaßen in der Lage sind, ein erfülltes, gesundes, langes und glückliches Leben zu führen, ohne andere fühlende Individuen auszubeuten, gefangenzuhalten und zu töten, wie können wir es noch rechtfertigen, nicht vegan zu leben? Und wenn wir die Wahl haben zwischen töten oder nicht töten, wenn es eine klare Wahl zu treffen gilt zwischen einer friedfertigen Haltung und einer Haltung, welche Mord aus Gründen des persönlichen Vergnügens befürwortet, wie könnten wir den gewaltlosen Standpunkt als »extrem« bezeichnen?

Wenn die Entscheidung einer Person, die Interessen anderer Individuen ernst zu nehmen, zu weniger Leid und Tod, zu weniger Nahrungsknappheit, zu weniger Umweltzerstörung und mehr zu einer gesunden Ernährung für sich selbst beizutragen, als »extrem« bezeichnet werden kann, müssen wir dieses Wort neu definieren.

3Ist es nicht wichtiger, sich zuerst einmal um die Menschen zu kümmern, deren Rechte verletzt werden
Es gibt keinen Grund, das Engagement für die Rechte menschlicher oder nichtmenschlicher Individuen getrennt zu betrachten oder dem einen oder anderen mehr Gewicht zu verleihen. Da Menschen Tiere sind, gelten Tierrechte auch für alle Menschen. Es gibt keinen Grund, uns nicht für die Eliminierung allen Leids einzusetzen, ungeachtet der Spezies, welcher die Leidtragenden angehören.

Bei der Offenlegung fundamentaler Rechteverletzungen kann keine Hierarchie geltend gemacht werden, nach der unter allen Betroffenen eine einzelne Gruppe willkürlich bevorzugt wird. So bleibt beispielsweise die Sklaverei ein moralisches Unrecht, ganz egal, ob es sich bei den Versklavten um dunkelhäutige oder hellhäutige, vierbeinige oder zweibeinige Erdbewohner handelt. Wenn es um die rechtliche Gleichstellung von Frauen, Kindern oder Homosexuellen geht, kann die Frage nicht lauten »Ist es nicht wichtiger, sich zuerst einmal um die Männer, um die Erwachsenen und um die Heterosexuellen zu kümmern?«

Gerechtigkeit setzt keine Entweder-Oder-Herangehensweise voraus. Wir haben die moralische Pflicht, die Interessen aller Tiere zu achten. Es ist gut und wichtig, sich für Menschen einzusetzen, aber die Behauptung, wir müssten im Zuge dessen Tieren schaden, ist nicht nachvollziehbar. Allein der Umstand, dass wir vermeiden, Tiere auszubeuten und zu konsumieren, kann uns nicht davon abhalten, anderen Menschen zu helfen. Mehr noch, indem wir die Rechte aller Tiere respektieren und für ihre Berücksichtigung eintreten, stellen wir nicht eine Spezies willkürlich über alle anderen, ersparen also nicht nur unzähligen Individuen immenses Leid, sondern tragen auch zur Aufklärung über den Speziesismus und zu dessen Auflösung bei.

Dieses Jahr werden rund 56 Milliarden Hühner, Schweine, Rinder, Schafe, Enten und andere Landtiere unnötigerweise getötet, zusammen mit mindestens ebenso vielen Wassertieren. Dennoch kümmern sich die meisten Menschen wenig um die grundlegendsten Interessen der Tiere, welche zu trivialen menschlichen Zwecken geboren und ermordet werden. Es ist möglich, andere darüber zu informieren und sich nicht daran zu beteiligen, ohne dass wir dadurch an unserer Arbeit für Menschen in Not gehindert werden.

Eine Lebensweise, die den Konsum tierlicher Produkte einschließt, schadet nicht nur den direkt betroffenen Tieren, sondern wirkt sich auch auf das Leben vieler anderer Menschen aus: Der größte Teil der weltweiten Soja- und Getreideernte wird an „Nutztiere“ verfüttert, während viele Millionen Menschen unter Nahrungsmittelknappheit leiden. Die Bewässerung dieser Futterpflanzen stellt eine enorme Wasserverschwendung dar, während oft in denselben Teilen der Welt viele Menschen keinen ausreichenden Zugang zu Trinkwasser haben. Auch die untrennbar mit der Tierhaltung verbundene Verschmutzung von Wasser, Luft und Land sowie die Erwärmung des Klimas sind sehr ernste Probleme, unter denen Menschen genauso wie alle Tiere und die gesamte Natur zu leiden haben.

Wenn wir uns also direkt von Pflanzen ernähren anstatt den Umweg über Tierprodukte zu gehen, schonen wir die Ressourcen dieser Erde, den Boden, die Luft und das Wasser, und schaffen dadurch die Voraussetzung, die es allen Menschen ermöglicht, genug Nahrung und Wasser zu erhalten und auch noch Generationen später in einer Umwelt zu leben, in der Anbauflächen, Grundwasser und Atemluft nicht vollständig den ökologisch katastrophalen Auswirkungen der Tiernutzung zum Opfer gefallen sind.

4Stimmt es, dass durch unsere Tierhaltung enorme Umweltschäden entstehen
Ja, das stimmt. Die vielen Milliarden Tiere, die wir jedes Jahr für unsere Zwecke in die Welt setzten, sind erwiesenermaßen und in erheblichem Maße an der Störung des lokalen und des globalen ökologischen Gleichgewichts und anderen umweltbezogenen Problemen beteiligt.
Erderwärmung

Durch die weltweite Tierwirtschaft werden etwa 40 Prozent mehr klimarelevante Gase erzeugt als durch alle Automobile, Lastkraftwagen und Flugzeuge auf der Erde.

Wasserverbrauch

Um vegane Nahrung zu produzieren, wird nur ein geringer Teil des Frischwasseraufkommens benötigt, welches die typische mitteleuropäische auf Leichenteilen basierende Ernährung erforderlich macht.

Schadstoffbelastung

Die Tierwirtschaft verunreinigt die Umwelt in größerem Ausmaß als irgendein anderer Industriezweig.
Die Erzeugung tierlicher Nahrungsmittel ist darüber hinaus die Hauptursache für weitere schwerwiegende ökologische Probleme wie die Regenwaldzerstörung, Bodenerosion, Grundwasserverunreinigung, Versteppung von Grasland, Zersetzung von Ökosystemen in Gewässern und Rückgang der Artenvielfalt.

Die ökologischen Vorteile einer veganen Lebensweise sind enorm (der Schritt zum Veganismus ist unzweifelhaft das Beste, was ein einzelner Mensch für die Umwelt tun kann), die Bedeutung sich aus ethischen Gründen für den Veganismus zu entscheiden ist konsequent.
Alle empfindungsfähigen Lebewesen sind in moralischer Hinsicht wie wir Menschen: Sie wertschätzen ihr Leben. Sie setzen alles daran, am Leben zu bleiben. Sie können intensiven Schmerz verspüren. Es ist falsch, sie zu züchten, auszubeuten, zu quälen und zu töten, zu Genusszwecken oder aufgrund irgendwelcher anderen Vorlieben.

Das Hauptaugenmerk auf die umweltbezogenen Vorteile des Veganismus zu richten, ist als würden wir einen Krieg wegen der ökologischen Vorteile verhindern wolen. Es ist zwar unbestreitbar, dass sowohl Kriege als auch Tierwirtschaft die Umwelt stark belasten, aber sich gegen einen Krieg und die Ermordung unschuldiger ZivilistInnen oder gegen die Tierwirtschaft nur aufgrund des Umweltschutzes zu stellen, geht in gleicher Weise am Wesentlichen vorbei.

5Könnten wir genug Pflanzen für eine vegane Weltbevölkerung anbauen
Um eine Kalorie aus tierlichen Nahrungsmitteln zu gewinnen wird generell immer eine größere landwirtschaftlich genutzte Fläche benötigt als für die Produktion einer Kalorie aus pflanzlichen Quellen.

»Nutztiere« verbrauchen mehr Nahrung als sie produzieren. Weil wir jedes Jahr mehr als 50 Milliarden Landtiere töten, bedarf es einer sehr großen Menge Futtermittel, um diese Tiere auf ihr »Schlachtgewicht« zu bringen, und damit einer entsprechend großen nutzbaren Fläche für den Anbau dieser Mittel. Nur die wenigsten Tiere, die wegen ihres Fleisches, ihrer Eier oder ihrer Milch gefangen gehalten werden, ernähren sich allein von Pflanzen, welche nicht auch für den menschlichen Verzehr geeignet sind, wie zum Beispiel Gräser oder Blätter. Da »Nutztiere« nicht nur ihren eigenen Stoffwechsel aufrecht erhalten müssen, sondern zusätzliche Energie und Nährstoffe benötigen, um ihre jeweilige »Leistung« (Eier oder Milch produzieren, Muskelfleisch aufbauen) zu erbringen, »reicht [Grundfutter] zu einer […] leistungsgerechten Fütterung nicht aus und muss deshalb mit Kraftfutter […] kombiniert werden«.

Besonders eiweißhaltig und deshalb als Futtermittel sehr begehrt ist die Sojabohne. Von den weltweit geernteten 260 Millionen Tonnen Sojabohnen (2009/2010) wurden 85 Prozent an »Nutztiere« verfüttert. Die Länder der EU importieren jährlich zwischen 35 und 40 Millionen Tonnen Sojabohnen, vor allem aus den USA, Argentinien und Brasilien.

Würden wir Menschen die Sojabohne direkt als Eiweißquelle nutzen und nicht über die Umwege »Milch« oder »Fleisch«, würde ein Zwanzigstel davon genügen, ganz zu schweigen von den ohnehin ausreichend proteinhaltigen pflanzlichen Nahrungsmitteln, welche in Europa problemlos angebaut werden können.

Durch die sogenannte »Veredelung« von pflanzlicher in tierliche Nahrung entstehen unweigerlich enorme Verluste. So werden je nach Spezies zwischen sieben und sechzehn Kilogramm Sojaschrot oder Getreide benötigt, um ein Kilogramm Fleisch zu »erzeugen«. Dabei gehen 89 bis 97 Prozent der eingesetzten Futterenergie, 80 bis 96 Prozent des Proteins, 99 Prozent der Kohlenhydrate und praktisch 100 Prozent der Ballaststoffe verloren. Nach einer Berechnung der Umweltorganisation der Vereinten Nationen könnten allein die Kalorien, die derzeit bei der Umwandlung von pflanzlichen in tierliche Lebensmittel verloren gehen, theoretisch 3,5 Milliarden Menschen ernähren.
70 Prozent der globalen landwirtschaftlichen Nutzfläche werden von der Tierhaltung beansprucht, durch die Nutzung als Weideland oder – in weitaus größerem Maße – als Anbaufläche für Futtermittel.

Die europäische Getreideernte wird zu 57 Prozent an »Nutztiere« verfüttert. Die Deutsche Welthungerhilfe meldet: »Rein rechnerisch wird genug Getreide produziert, um alle Menschen ausreichend zu ernähren. Doch fast die Hälfte des Korns [weltweit] wird an Vieh verfüttert. Aus 100 Kalorien im Getreide werden zehn Kalorien im Fleisch. Durch diese ›Veredelung‹ gehen 90 Prozent der geernteten Nahrungskalorien verloren.«

6Gesprächs- und Verhaltenstipps

Wer den Schritt zu einer veganen Lebensweise unternimmt, muss sich zu Beginn nicht nur mit Lebensmitteln und Schuhen, sondern auch mit den Fragen der Mitmenschen auseinandersetzen. Ob diese nun scherzhaft, provozierend oder ernst gemeint sind, je besser du darauf vorbereitet bist, desto einfacher wird es, souverän und selbstsicher darauf einzugehen.

Weiterbildung

Informiere dich ausgiebig über alles, was mit den Themen Veganismus, Tierrechte, Ernährung, Tiernutzung und Landwirtschaft zusammenhängt. Lies so viele Bücher wie möglich, sammle und durchforste verschiedene Seiten im Internet, bestelle Broschüren und anderes Material, abonniere Podcasts, suche nach Videos, beteilige dich an Diskussionen in Online-Foren oder in lokalen Interessengruppen, lies Interviews und besuche Vorträge. Es ist sehr viel leichter, Fragen zu beantworten und sich auf Gespräche einzulassen, wenn klar ist, dass das eigene Hintergrundwissen ausreicht, um jede Situation ohne Erklärungsnöte und im Sinne des Veganismus (und damit im Sinne der unschuldigen Opfer der Tierindustrie) zu »meistern«.

Respekt

Bleibe beim direkten Umgang mit anderen (auch im Internet) höflich und respektvoll, wie viel Mühe und Selbstbeherrschung dies auch manchmal zu erfordern scheint. Versuche, jeweils auf die andere Person einzugehen, herauszuhören, wie ihre Haltung zum Thema ist und auf welchen Erfahrungen diese beruht. Hat sie ein wirkliches Interesse daran, welche Hürden stehen noch zwischen ihr und einem veganen Leben, und wobei würde sie gerne Hilfe annehmen?

Vorausplanung

Überlege dir im Voraus mögliche Antworten auf Fragen, die dir mit großer Wahrscheinlichkeit begegnen werden. Diese reichen von ganz allgemein (»Warum bist du eigentlich vegan?«) bis sehr speziell (»Was würdest du tun, wenn du auf einer Insel gestrandet wärst, auf der nur Fleisch wächst?«). Dabei ist es nicht immer einfach, die Motivation der anderen Person sofort zu erkennen. Versuche dennoch abzuwägen, mit welcher Absicht eine Frage gestellt wird. Hat dein Gegenüber ein aufrichtiges Interesse an deiner Antwort? Soll einfach ein wenig harmloser Small Talk betrieben werden? Oder geht es sogar darum, dich zu provozieren? Es kann nie schaden, vor jeder Antwort kurz innezuhalten und die Situation einzuschätzen.

Gemeinsamkeiten

Versuche, durch eigene Fragen festzustellen, wo die Person in Bezug auf unser Thema steht. Hat sie bereits etwas Vorwissen oder gar Vorurteile? Was sind ihre Ansichten, Interessen, Befürchtungen? Berichte von deinen eigenen Erfahrungen. Von welchem Punkt aus kann gemeinsam versucht werden, zu einem Ergebnis zu kommen, eine Verbindung herzustellen zwischen den eigenen Wertvorstellungen, dem eigenem Handeln und den Konsequenzen für andere und die Umwelt? Dieser Punkt liegt bei jedem Menschen an einer anderen Stelle, und es lohnt sich für beide Seiten, sich ihm so weit wie möglich anzunähern, bevor weitere Fragen erörtert werden.

Geduld

Du hast einige Sätze (»Wir brauchen Fleisch wegen dem Protein« oder »Pflanzen haben auch Gefühle«) vielleicht schon hundertfach gehört, dennoch solltest du vorerst davon ausgehen, dass solche Fragen oder Argumente durchaus ernst gemeint sein können und vielleicht zum ersten Mal überhaupt an einen veganen Mitmenschen gerichtet werden. In solch einem Moment repräsentieren du und deine Antworten – was sowohl Inhalt als auch Tonfall betrifft – die gesamte vegane Bewegung. Auch wenn du einen offensichtlichen Sachverhalt zum hundertsten Mal erklären musst, bleibe freundlich, positiv und offen. Frage ab und zu nach, ob das eben Gesagte richtig angekommen und nachvollziehbar ist.

Inspiration

Versuche nach Möglichkeit nicht, um jeden Preis zu überzeugen oder die Diskussion zu »gewinnen«. Berichte von deinen eigenen Beobachtungen und Gefühlen und lasse dein Gegenüber eigene Entscheidungen treffen. Du kannst niemanden zwingen, das zu tun, wovon du überzeugt bist, dass es das Richtige ist, also versuche es gar nicht erst. Wenn du jedoch in der Lage bist, logisch, konsistent und nachvollziehbar zu erklären, warum du vegan lebst, ist es mehr als wahrscheinlich, dass du bei anderen ein Samenkorn pflanzt, das nur etwas Zeit benötigt, um zu wachsen.

Ehrlichkeit

Ziehe Zahlen oder Statistiken nur dann heran, wenn danach gefragt wurde. Wenn du eine bestimmte Information oder die Antwort auf eine spezielle Frage nicht parat hast, mache keinen Hehl daraus, sondern bleibe bei der Wahrheit. Ein geeigneter Satz wäre etwa »Das weiß ich nicht. Ich werde mich aber darüber informieren. Möchtest du, dass ich dich kontaktiere, wenn ich die Information gefunden habe?«

Konzentration

Behalte immer im Gedächtnis, worum es wirklich geht. Manchmal driften Gespräche ab und drehen sich plötzlich um Nebensächlichkeiten wie die Verfügbarkeit einer ungekühlt haltbaren, aufschlagfähigen und sojafreien Alternative zu Sahne aus Kuhmilch in nicht zu überteuerten, ohne Auto erreichbaren kleinstädtischen Supermärkten. Wenn genügend Zeit zur Verfügung steht, ist gegen solche Erörterungen nichts einzuwenden, manchmal ist es aber sinnvoll, den Fokus wieder auf das eigentliche Thema zu lenken, in unserem Fall die vielen Milliarden empfindungsfähigen Tiere, die jeden Tag für unser Vergnügen und unsere Bequemlichkeit leiden und sterben.

Rückblick

Oft ist es auch ratsam, im Nachhinein zurückliegende Gespräche zu analysieren: Was hätte ich anders sagen können, wo war ich mir unsicher, oder worauf hat mein Gegenüber auf welche Weise reagiert? Was hat gut, was weniger gut funktioniert? In welchem Themenbereich kenne ich mich aus und wo könnte ich mir selbst noch etwas Nachhilfe geben? Auch wenn anfangs immer etwas Aufregung mit im Spiel ist und manches Gespräch nicht wie erwartet verläuft, wirst du hinterher an Routine und Sicherheit gewonnen haben.