SINNVOLL

VEGAN = SINNVOLL

Kann ich als einzelne Person überhaupt etwas ändern
Vegan zu werden ist für uns alle der erste und unabdingbare Schritt hin zu einer Welt, in der Tiere nicht mehr unnötig leiden und getötet werden. Denn letzten Endes ist der einzige Weg, das unnötige Leiden und Töten zu beenden, die Tiere von vornherein gar nicht erst zu benutzen.

Viele Menschen sind positiv gegenüber einer veganen Lebensweise eingestellt, können aber nur schwer einen langfristigen Gewinn erkennen, der den scheinbar hohen Aufwand für eine Umstellung kompensieren würde: »Ich könnte vegan werden, aber zu welchem Zweck? Der Einfluss, den ich alleine auf die Wirtschaft ausüben kann, ist äußerst gering. Die Menschheit wird niemals vollständig aufhören, andere Tiere zu benutzen. Vegan zu leben ergibt also keinen Sinn, ist somit nicht notwendig und kommt daher für mich nicht in Frage.«

Zum Glück würden wahrscheinlich nur wenige von ihnen dieselbe Logik auf andere, ähnliche Fragen anwenden. Rassismus und Sexismus sind tief in unserer wie auch in anderen Kulturen verwurzelt. Es ist unwahrscheinlich, dass diese Formen der Diskriminierung in den nächsten Jahrzehnten vollständig verschwinden werden. Dennoch handeln die meisten, die darin ein Problem sehen, nicht selbst aktiv und bewusst rassistisch oder sexistisch, nur weil wir noch weit davon entfernt sind, jedwede Ungerechtigkeit aus der Welt geschafft zu haben, oder nur weil sie als Einzelpersonen deren Beendigung nicht sofort herbeiführen können. Wenn wir eine bestimmte Praxis als Unrecht erkannt und uns entschieden haben, sie fortan nach Möglichkeit zu vermeiden, handeln wir in erster Linie so, weil es uns als das Richtige erscheint. Ob dadurch Wirtschaft oder Gesellschaft in großem Umfang verändert werden, spielt wohl (vorerst) keine Rolle.

Sobald wir aus dem gewaltsamen und ausbeuterischen System der Tiernutzung aussteigen, tragen wir unsere Haltung nach außen, der entsprechend alle Tiere das Grundrecht besitzen, nicht als bloße Dinge behandelt zu werden. Wir leben und handeln gemäß unserer Ansicht, dass es falsch ist, Tieren unnötigerweise zu schaden. Da gesellschaftlicher Wandel immer damit beginnt, dass Einzelne diesen Wandel in sich selbst vollziehen, werden wir gleichzeitig zu einer wachsenden sozialen Bewegung beitragen, die zum Ziel hat, die unnötige Gewalt an Tieren zu beenden.

Dabei darf nicht übersehen werden, dass die Aufklärung über Veganismus ein exponentieller Prozess ist. Wenn unsere Botschaft sich verbreitet und unterstützt wird, wird sie weitergetragen werden und mehr und mehr Menschen erreichen, die ihrerseits einen Teil zur weiteren Aufklärung beitragen. So kann eine einzelne Person, die sich kreativ, regelmäßig und konsistent für die Abschaffung der Tiernutzung einsetzt, in den folgenden Jahren hunderte, wenn nicht tausende Menschen erreichen.

Die Möglichkeiten, sich für die Rechte aller Tiere zu engagieren, sind nahezu unbegrenzt: Selbstbewusste, gut informierte und konsequent handelnde vegane Menschen werden fast automatisch zu Vorbildern und Ratgebern für andere: Sie können und wollen erklären, warum es falsch ist, andere empfindungsfähige Lebewesen für unsere Zwecke zu benutzen. Sie können und wollen anderen helfen, vegan zu werden und auch zu bleiben und ihnen wiederum zeigen, wie sie andere über Tierausbeutung und Veganismus aufklären können.

Auch alleine und mit wenigen oder ganz ohne finanzielle Mittel sind produktive und wirksame Aktivitäten möglich: Aufklärungsmaterial schreiben oder verteilen, Artikel, Podcasts oder Videos im Internet veröffentlichen, Lese- und Diskussionsgruppen leiten, Filmvorführungen oder Vorträge in Schulen oder ähnlichen Einrichtungen anbieten, vegane Essens- und Infostände auf Veranstaltungen unterhalten, Leserbriefe einsenden, Kleidung mit veganer Botschaft tragen, Geschichten schreiben, Fotos schießen, Bilder malen, Comics zeichnen etc.

Auch direkte Hilfe für Tiere, die überlebende Opfer der Nahrungs- oder »Heimtier«-Industrie geworden sind, ist ein wichtiger Aspekt. Wer ausreichend Platz beziehungsweise Zeit oder Geld hat, kann ein Tier aus einem Tierheim adoptieren, dort ehrenamtlich mithelfen oder eine kleine Summe an Höfe spenden, die ebensolche Tiere aufgenommen haben.
Eine nicht zu unterschätzende Außenwirkung des Veganismus ist die symbolische: Seine größte Bedeutung entfaltet er vielleicht, wenn er kognitive Dissonanz hervorruft, wenn er Sand ist im mentalen Getriebe der Tierausbeutung, welches in erster Linie durch Wegschauen oder bequeme Rechtfertigungen am Laufen gehalten wird. Viele Menschen wollen nicht wissen, wie ihr Essen produziert wird, aber die bloße Möglichkeit eines veganen Lebens drängt sie dazu, darüber nachzudenken. Eine Veganerin, die an einem Tisch mit Fleisch essenden Menschen sitzt, steht gewissermaßen für das auf den Tellern liegende Tier ein. Indem sie Stellung bezieht und die Produkte der Gewalt und Ausbeutung ablehnt, an der alle anderen sich beteiligen, bringt sie diese dazu, ihre Wahl zu überdenken. Sie erinnert sie an die unnötige Gewalt, die für ihr Mahl eingesetzt wurde, auch ohne nur ein Wort darüber zu sprechen.

Es ist unmöglich zu leben, ohne anderen zu schaden. Warum also erst versuchen
Es besteht ein Unterschied zwischen der versehentlichen und der absichtlichen Zufügung von Schaden. Wenn wir beim Fahrradfahren eine Mücke verschlucken oder im engen Hausflur der Nachbarin auf den Fuß treten, ist das zwar bedauernswert, manchmal aber selbst mit größter Vorsicht nicht vermeidbar. Dieser Umstand berechtigt uns jedoch keinesfalls, unsere Mitmenschen oder andere Tiere vorsätzlich zu verletzen.

Obwohl der Fall jederzeit ungewollt eintreten kann, versuchen die meisten Menschen dennoch, anderen nicht wehzutun und deren Leben nicht zu gefährden. Noch deutlicher wird es, wenn wir unseren komplett unnötigen (und auch für uns selbst eher schädlichen) Konsum von Tierprodukten, bei deren Herstellung fühlende Wesen gefangen gehalten und ermordet werden, damit rechtfertigen wollen, dass wir anderweitig ohnehin bereits gewisses Leid anrichten.

Die Gründe, aus denen wir nichtmenschlichen Tieren Schaden zufügen – also Freiheitsberaubung, physische und psychische Beeinträchtigung und Tod – lassen sich zu 99,9 Prozent auf Vergnügen oder Eitelkeit zurückführen, ob Genuss beim Käseverzehr oder Selbstdarstellung in der Lederjacke. Da wir in Mitteleuropa keine Tierprodukte brauchen, um uns gesund zu ernähren und uns warm zu halten, können sie sehr einfach vermieden werden. Der Schaden, der dadurch anderen erspart bleibt, ist nicht zu vergleichen mit dem, welchen wir gelegentlich unbeabsichtigt verursachen.

Ist nicht alle Moral relativ
Niemand kann »beweisen«, dass es falsch ist, Tiere unnötig leiden oder töten zu lassen. Und niemand muss etwas in dieser Art beweisen. Wer der Ansicht ist, dass Tiere keine Maschinen, sondern empfindungsfähige Wesen sind, und wem deshalb etwas an ihrem Wohlergehen liegt, vermeidet es, ihnen zu schaden. Dies ist die einzig logische Konsequenz und wird als Veganismus bezeichnet.

Ein Argument, das den gegenwärtigen und zukünftigen Konsum von Tierprodukten entschuldigen oder es zumindest ermöglichen soll, sich nicht mit der Frage nach der Moral desselben beschäftigen zu müssen, lautet, dass moralische Grundsätze nirgendwo absolut festgelegt sind. Jeder Mensch habe seine eigenen Werte, und es gäbe keine Beweise dafür, dass die eine Art zu handeln »gut«, die andere hingegen »schlecht« sei. Exemplarisch für eine Gesellschaft, in der jedwede Moral relativ ist, stehen folgende Szenarien:

  • Heidis neuer Ball wird auf dem Spielplatz gestohlen. Die anwesenden Eltern erklären ihr, sie hätte kein Recht, den Ball zurückzufordern, wenn das diebische Kind gemäß seiner eigenen Einschätzung von Gut und Böse gehandelt habe.
  • Die Regierung eines weit entfernten Landes foltert politisch Andersdenkende. Wir sind wütend und können es nicht gutheißen, dass Unschuldigen solches Leid zugefügt wird. Doch wie kämen wir dazu, anderen unsere eigene Vorstellung von Moral aufzuzwingen?
  • Dein Nachbar schießt seinem Hund einen Metallbolzen in den Kopf. Du bist entsetzt und verspürst Mitleid, musst aber akzeptieren, dass dein Nachbar augenscheinlich andere Moralvorstellungen hat und somit – abgesehen von deinen Gefühlen – alles in Ordnung ist.

Wir können in moralischen Angelegenheiten keine absoluten Beweise vorlegen, wie wir dies etwa bei der Erörterung mathematischer Grundsätze tun würden. Wie auch immer unsere persönliche Überzeugung hinsichtlich bestimmter moralischer Fragen aussieht – ob wir uns zum Beispiel für oder gegen die Todesstrafe, gleichgeschlechtliche Ehe oder Tierrechte positionieren – wir können keine objektive Gewissheit darüber haben, ob wir mit unserer Ansicht richtig liegen. Wir mögen überwältigende Argumente für unsere Einstellung haben, aber wir können nicht behaupten, diese Einstellung sei wahr in dem Sinne, in dem »zwei plus zwei ergibt vier« wahr ist.

Weil sich moralische von mathematischen Fragen auf diese Art unterscheiden, liegt der Fehlschluss nahe, moralische Ansichten wären ebenso nur eine Sache der eigenen Meinung wie die Frage nach der bevorzugten Sportart oder Musikrichtung. Demnach wäre keine Moralvorstellung einer anderen vorzuziehen, und jedem Menschen wäre es gestattet, sich so zu verhalten, wie es ihm beliebt, ohne Rücksicht auf die Überzeugungen und Werte seiner Mitmenschen.

Um einleuchtend und überzeugend zu sein, müssen moralische Bewertungen jedoch nicht wie mathematische Aussagen bewiesen werden können. Wenn ein Standpunkt von besseren Argumenten gestützt wird als gegensätzliche, sollten wir diesen einnehmen, bis sich uns eine andere, mit noch besseren Begründungen untermauerte Anschauung eröffnet. Wenn sich eine moralische Position besser mit weiteren, bereits angenommenen Positionen vereinbaren lässt, sollten wir vermutlich dieser den Vorzug geben gegenüber anderen, die sich weniger gut einfügen.

Beispielsweise lassen sich etliche eindringliche Gründe dafür vorbringen, dass wir den Holocaust als offenkundig unmoralisches Ereignis bezeichnen sollten, wohingegen uns jegliche Begründung dafür fehlt, dieses Ereignis als moralisch gerechtfertigt zu betrachten. Die Missbilligung des Holocaust entspricht zudem unserem gemeinsamen Ermessen, demzufolge absichtliches Töten unschuldiger Menschen moralisches Unrecht darstellt. Wäre es möglich gewesen, einem Nationalsozialisten objektiv zu beweisen, dass der Holocaust unmoralisch ist? Selbstverständlich nicht. Dies kann jedoch nicht zu dem Schluss führen, dass das moralische Unrecht des Holocaust eine Sache der subjektiven Meinung ist.

Die moralische Integrität der Tierrechtsposition lässt sich (wie jede andere Form des Strebens nach gleicher Berücksichtigung) objektiv nicht als richtig oder falsch »berechnen«. Allerdings drängen sich gute Gründe und gültige Argumente dafür geradezu auf, und nicht zuletzt entspricht sie exakt dem allgemein anerkannten Grundsatz, dass wir Tieren kein unnötiges Leid zufügen sollten.

Wir sind nicht auf Produkte von oder aus Tieren angewiesen, wie viele Millionen vegan lebende, gesunde und leistungsfähige Menschen auf der ganzen Welt belegen. Es ist nicht notwendig, dass Tiere für unser Vergnügen leiden und sterben. Wenn wir also von uns behaupten, Tiere wichtig zu nehmen, davon ausgehen, dass Tiere es vorziehen würden, lieber nicht zu leiden, und wir nicht gezwungen sind, ihnen Schaden zuzufügen, gebietet allein die Logik, unsere Handlungen auf die Minimierung ihres Leids auszurichten. Es spielt hier vorerst keine Rolle, ob Moral subjektiv oder objektiv festgelegt wird, vielmehr gilt es, eine Verbindung herzustellen zwischen dem, was wir ohnehin bereits als »richtig« akzeptiert haben und dem, was wir tagtäglich tun.

Manche Menschen entziehen sich nur zu gerne ihrer Verantwortlichkeit für ihr Handeln und dessen Konsequenzen, indem sie darauf hinweisen, dass unsere Gesetze als gesellschaftlicher Konsens über Richtig und Falsch die einzige verpflichtende Begrenzung des individuellen Handlungsraums darstellen. Trotz besseren Wissens und Gewissens müssen demzufolge Umweltzerstörung, Tierqual, ausbeuterische Arbeitsbedingungen, Verschwendung von Ressourcen oder Waffenhandel als lautere und übliche Praktiken angesehen werden, weil wir vermeintlich gemeinsam als Staat deren Gesetzmäßigkeit beschlossen haben.

Würden wir tatsächlich unsere persönlichen moralischen Grundwerte und das daraus folgende Handeln nach diesem Ansatz richten, würde dies bedeuten, dass wir in dem Augenblick, in dem wir die Grenze einiger bestimmter Staaten überschreiten, die Diskriminierung von Frauen, die Verfolgung Homosexueller oder die willkürliche Inhaftierung politischer GegnerInnen als unumstößliche Maximen anerkennen müssten. Selbstständiges, kritisches Denken bliebe ohne Wirkung auf die eigene Haltung, weil die jeweiligen Gesetze als mutmaßlicher Konsens die einzig gültigen ethischen Leitsätze darstellten.

In der gesamten Geschichte des Gesetzesrechts hätte sich darüber hinaus niemals etwas ändern können oder dürfen, wenn nicht einzelne Menschen, soziale Bewegungen und schließlich Regierungen die Absolutheit bestehender Gesetze angetastet hätten. Betrachten wir die Abschaffung der Sklaverei, die Einführung des Frauenwahlrechts oder den Umstieg auf regenerative Energien, so ist den Änderungen und Abschaffungen der betreffenden Gesetze immer eine Idee vorangegangen, die von Menschen getragen wurde, die außerhalb der damaligen Konventionen gedacht und gehandelt haben.

Ist eine vegane Ernährung nicht mit höheren Kosten verbunden
Auch wenn es vereinzelt Produkte auf dem Markt gibt, die gleichzeitig vegan und relativ teuer sind, ist eine Ernährung, die sich auf pflanzliche Nahrungsmittel stützt, im Durchschnitt günstiger als eine so genannte Mischkost. Fleisch und andere Tierprodukte sind nicht nur teurer in der Erzeugung, sondern verursachen auch hohe Kosten für die Allgemeinheit, die Umwelt und vor allem für die Tiere, die für die Herstellung dieser Produkte leiden und sterben.

Entgegen der allgemeinen Annahme kann eine vegane Ernährung oft sogar bedeutend günstiger sein. Dies mag für viele überraschend klingen, da Veganismus von Außenstehenden häufig auf den regelmäßigen Verzehr so genannter Fleischersatzprodukte auf Sojabasis verkürzt wird, obwohl selbst diese preislich inzwischen oft mit den nicht veganen, fertig verarbeiteten »Vorbildern« vergleichbar sind. Selbstverständlich können Spezialerzeugnisse aber auch teurer sein, wenn sie in relativ kleiner Stückzahl und für einen relativ kleinen Markt hergestellt und vertrieben werden. Dies gilt jedoch unabhängig davon, ob es sich um ein veganes Produkt handelt oder nicht. Die durchschnittlichen Gesamtkosten für eine bestimmte Ernährungsform können aber nicht einfach anhand des Preises solcher Spezialitäten hochgerechnet werden. Parallel dazu kann die bloße Existenz dieser Produkte übrigens auch nicht als Beweis dafür angeführt werden, dass vegane Ernährung in all ihren Erscheinungsformen tendenziell eher ungesund, da zu salzig und fetthaltig sei.

Eine gesunde und ausgewogene vegane Ernährung muss jedoch ganz im Gegenteil keines dieser Produkte enthalten. Zu den veganen Grundnahrungsmitteln können Getreide, Bohnen und andere Hülsenfrüchte, Reis, Nudeln, Backwaren, Nüsse sowie tiefgefrorenes oder vakuumverpacktes Gemüse (zum Beispiel in Gläsern) gezählt werden. Diese stellen einige der preiswertesten, nahrhaftesten und sättigendsten Lebensmittel dar, die zudem in jedem Supermarkt fast überall auf der Welt erhältlich sind. Viele dieser Produkte haben außerdem den Vorteil einer langen Haltbarkeit, was es ermöglicht, sie auch in größeren Einheiten auf Vorrat einzukaufen und damit nochmals etwas Geld zu sparen.

Die ärmsten Bevölkerungsschichten weltweit nutzen Pflanzen als ihre Haupt-Nahrungsquelle. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen ist von Australien über Japan und China über Zentralasien und den Nahen Osten, Afrika, die Mittelmeerregion und Nordeuropa, über Süd- und Mittel- nach Nordamerika jedes einzelne Grundnahrungsmittel ein pflanzliches. Fleisch ist – entgegen der in westlichen Ländern weit verbreiteten Ansicht – ein Luxusartikel.

Die Tatsache, dass pflanzliche Lebensmittel preiswerter sind, sollte schon aus wirtschaftlicher Sicht Sinn ergeben: Je weniger Ressourcen, Zeit und Arbeit in ein Endprodukt eingeflossen sind, desto kostengünstiger kann es angeboten werden. Nahrungsmittel, die von oder aus Tieren »gewonnen« werden, stellen hingegen eine gewaltige Verschwendung pflanzlicher Nahrung dar, weil etwa für die »Erzeugung« einer bestimmten Menge Fleisch eine weitaus größere Menge pflanzlicher Nahrung verbraucht werden muss.

Einmal abgesehen vom finanziellen Gesichtspunkt: Für nicht vegane Ernährung bezahlen Tiere mit dem Wertvollsten, was sie haben: Mit ihrem Leben. Selbst wenn eine vegane Lebensweise tatsächlich in jedem Punkt einen höheren finanziellen Aufwand bedeuten würde, wäre dies keine Rechtfertigung zur Ausbeutung einer bestimmten Gruppe empfindungsfähiger Lebewesen.

Auch weitere direkte und indirekte Kosten einer nicht veganen Lebensweise werden, wenn sie sich nicht im Verkaufspreis einzelner Produkte widerspiegeln sollen, auf die restliche Gesellschaft (darunter alle vegan lebenden Menschen), auf nachfolgende Generationen und mittelfristig auch auf alles Leben auf diesem Planeten verteilt. Würde die volle ökologische Last (Verbrennung fossiler Rohstoffe, Senkung des Grundwasserspiegels, Verschmutzung von Luft, Land und Wasser durch Dünger, Pestizide und Gülle) in den Verkaufspreis tierlicher Produkte eingerechnet, läge dieser um ein Zwei- oder gar Dreifaches höher.

Nicht zuletzt nimmt durch den immer höheren Fleischkonsum in Europa die Zahl der damit verbundenen Krankheiten (allen voran Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes mellitus und Krebs) ständig zu. Durch die dadurch entstehenden höheren Behandlungskosten steigen auch die Beiträge zu den Krankenversicherungen, die wiederum die Allgemeinheit tragen muss.

Was ist mit Tierrechten gemeint
Ein Recht ist ein abstraktes Konstrukt, welches ein Interesse schützt. Grundrechte schützen grundlegende Interessen, wie z.B. von einem anderen Menschen nicht ohne guten Grund (wie Notwehr) verletzt, eingesperrt oder getötet zu werden, selbst dann nicht, wenn dieser einen großen Vorteil daraus ziehen würde.

Nichtmenschlichen Tieren gewähren wir solche Grundrechte nicht. Obwohl fast überall sogenannte Tierschutzgesetze existieren, können wir Menschen mit anderen Tieren ungestraft praktisch alles tun, was wir wollen. Da es keine Rechtfertigung dafür gibt, Grundrechte auf bestimmte Gruppen empfindungsfähiger Tiere zu beschränken (zum Beispiel auf alle Männer, auf alle Hellhäutigen oder auf alle Menschen), ist es notwendig, allen Lebewesen mit den entsprechenden grundlegenden Interessen auch die dazugehörigen Rechte zu verleihen.

Da Menschen Tiere sind, gelten alle Tierrechte auch für Menschen. Darüber hinaus genießen Menschen weitere, spezifische Rechte, welche Interessen schützen, die für nichtmenschliche Tiere nicht relevant sind (zum Beispiel das Recht auf Bildung, politische Mitbestimmung oder freie Berufswahl).
Wenn der Begriff Tierrechte benutzt wird, wird nicht vorgeschlagen, Hunden das Wahlrecht zu verleihen oder Elefanten das Recht auf einen fairen Prozess zu gewähren. Die Idee der Tierrechte besagt nicht, dass nichtmenschliche Tiere dieselben Rechte wie Menschen haben sollten. Sie steht vielmehr für die gleichwertige Berücksichtigung ihrer Interessen und Bedürfnisse.

Gleiche Interessen, gleiche Rechte
Die meisten von uns wissen aus eigener Erfahrung, dass Hunde ein Gefühlsleben haben, dass sie Freude und Angst spüren und ausdrücken können. Wir haben gesehen, wie sie ihre Bewegungsfreiheit wild ausnutzen oder dösend die Sonnenstrahlen genießen. Sie bauen soziale Bindungen zu Menschen und anderen Tieren auf, spielen, lernen, kommunizieren, sind sich ihrer selbst und ihrer Umwelt deutlich bewusst. Nicht wenige Menschen investieren viel Zeit und Geld in die Gesundheit ihres Begleiters, sie fühlen mit ihm, wenn er Schmerzen hat oder verspüren Mitleid, wenn er angeleint im kalten Regen warten muss. Es spricht alles dafür, anzunehmen, dass Hunde Interessen und Bedürfnisse haben. Wir »vermenschlichen« sie nicht, wenn wir hiervon ausgehen, sondern stützen uns auf unsere Beobachtungsgabe und Resultate aus der biologischen Forschung. Und diese Erkenntnisse gelten nicht nur für Hunde, sondern für jedes der über 50 Milliarden Landtiere, die wir jedes Jahr unnötigerweise ermorden. Die Zahl der ebenso empfindungsfähigen getöteten Fische und anderen Wassertiere wird auf mehrere hundert Milliarden geschätzt.

Obwohl menschliche und nichtmenschliche Tiere nicht in jedweder Hinsicht gleich sind, haben wir ähnliche Interessen. Wo sich unsere Interessen überschneiden (wenn wir etwa alle nach Wohlbefinden streben, Schmerzen vermeiden und am Leben bleiben wollen), verliert das Argument »sie sind ja keine Menschen« seine Gültigkeit, da es den Interessen bestimmter Individuen aufgrund eines willkürlichen Kriteriums die gleiche Berücksichtigung verweigert. (Gleiches muss innerhalb unserer eigenen Art gelten für Begründungen wie »sie sind ja keine ›Weißen‹« oder »sie sind ja keine Männer«.)
Ohne Rücksicht auf irrelevante Merkmale wie Geschlecht, Hautfarbe oder Spezies erfordert es das Gleichheitsprinzip, ein Interesse der einen und das gleiche Interesse einer anderen Person auch gleich zu gewichten.

Das Recht des Eigentümers gegen das Recht des Eigentums
Ein Recht, welches praktisch von allen und überall auf der Welt anerkannt wird, ist jenes, das unser Interesse schützt, nicht Ressource (zum Beispiel für Organe oder Arbeit) zu sein. Jedes Recht eines Leibeigenen wird dem Recht des Besitzers an seinem Besitz untergeordnet werden. Leibeigene werden nur in dem Maß geschützt, das einem anderen – für gewöhnlich dem Eigentümer – zum Vorteil gereicht. Innerhalb der Sklaverei wird den Versklavten lediglich von außen ein Wert zugeschrieben, etwa durch ihre Leistungsfähigkeit und aktuelle Marktpreise; jeder inhärente Wert, unabhängig vom Nutzen des Individuums für andere, wird hingegen nicht anerkannt.

Es gibt kein »gottgegebenes«, »natürliches« oder anders umschriebenes Recht des Homo Sapiens, andere Wesen für seine Zwecke total zu unterwerfen. Unter uns Menschen nennen wir ein solches System »Sklaverei«; wie es aber unter ethischen Gesichtspunkten keinen Unterschied machen kann, welches Geschlecht oder welche Hautfarbe die Sklaven haben, so wenig kann die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Spezies die Ausbeutung legitimieren.

Es gibt keine »humane Sklaverei«, somit ist es auch unmöglich, Tiere »human« gefangen zu halten, auszubeuten oder zu schlachten. Der sogenannte Tierschutz, der für marginale Verbesserungen innerhalb des Ausbeutungskomplexes eintritt, vermag es vielleicht dann und wann, den Sklaven geringfügig mehr Platz zu verschaffen, ihr Status als rechtlose Leibeigene bleibt jedoch unverändert.

Kein Eigentum sein: Notwendig, aber nicht hinreichend
Wir schützen nicht alle Menschen vor jedem erdenklichen Leid, und oft können wir dies auch nicht. Menschen leiden unter Krankheiten oder den Folgen von Unfällen und Naturkatastrophen; viele leiden, weil sie keinen Zugang zu Nahrung, sauberem Wasser, Kleidung, medizinischer Pflege oder Obdach haben. Davon abgesehen, was für andere Rechte Menschen zusätzlich haben können, und dass wir nicht allen die gleichen Rechte zugestehen müssen (zum Beispiel haben ausnahmslos alle Säuglinge kein Interesse an politischer Mitbestimmung, es besteht also kein Grund, ihnen ein Wahlrecht einzuräumen), sind wir darin übereingekommen, dass alle Menschen als Basis zumindest ein Recht besitzen müssen, wenn alle weiteren Rechte irgendeine Bedeutung haben sollen: Das Grundrecht, nicht ausschließlich als Ressource für die Zwecke anderer gehandelt und benutzt zu werden.

Ein Beispiel: Eine Person A besitzt das Recht, an politischen Versammlungen teilzunehmen, ist aber gleichzeitig das rechtmäßige Eigentum einer Person B, welche den größten Nutzen aus Person A ziehen kann, wenn diese eingesperrt bleibt und möglichst frühzeitig ermordet wird. Es ist wohl offensichtlich, dass in diesem Fall das Recht auf Versammlungsbildung wirkungslos bleibt, wenn die entsprechenden Grundrechte als Basis für weitere Rechte fehlen.

Was nun nichtmenschliche Tiere angeht, so erfordert das Prinzip der Gleichbehandlung, dass wir den Schutz auf ein nichtmenschliches Interesse, kein Leid zu erfahren, ausweiten müssen, wenn wir die Bedürfnisse anderer Tiere ernst nehmen und dem moralischen Verbot unnötiger Gewalt – welches wir alle zu akzeptieren behaupten – einen Inhalt geben wollen.

So wie wir nicht alle Menschen vor jeglichem Leid schützen können, können wir nicht alle nichtmenschlichen Tiere davor schützen. Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum können sich verletzen, krank oder von anderen Tieren angegriffen werden. Das Gleichbehandlungsprinzip verlangt jedoch, dass wir – solange wir keinen moralisch triftigen Grund haben, es nicht zu tun – alle Tiere vor jeglichem Leid schützen müssen, welches als Folge ihrer Benutzung als Ressource von Menschen entsteht. Wir müssen allen nichtmenschlichen Tieren genau wie allen Menschen Grundrechte gewähren, welche ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen, vor Freiheitsberaubung, physischem und psychischem Schaden durch Menschen schützen und welche – als unabdingbare Grundlage dessen – es unmöglich machen, das Eigentum eines anderen zu sein.